Der Stolperstein-Projektkurs der Q1 hat am Donnerstag die Verlegung von fünf weiteren Stolpersteinen in der Innenstadt von St. Tönis organisiert. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger begleiteten die Aktion, die an die Schicksale ehemaliger jüdischer Mitbürger sowie anderer Verfolgter des Nationalsozialismus erinnert.
Nach einer kurzen Ansprache auf dem Kirchplatz von unserer Schülersprecherin Leona Liesche wurden die fünf Messingsteine an den letzten frei gewählten Wohnorten der Betroffenen verlegt. Die Schülerinnen und Schüler des Projektkurses Geschichte stellten dabei die Lebensgeschichten der Verfolgten vor.
Vor dem Haus an der Hochstraße 67 erinnern nun Stolpersteine an Emilie und Paul Kaufmann. Emilie Kaufmann wurde 1874 im Emsland geboren und arbeitete später in St. Tönis als Filialleiterin. Ihr Sohn Paul Kaufmann wurde 1918 in St. Tönis geboren. Nach seiner Deportation in das Konzentrationslager Dachau sowie später nach Riga überlebte er mehrere Ghettos und Konzentrationslager, darunter Bergen-Belsen. Nach dem Krieg emigrierte er in die USA. Emilie Kaufmann wurde von den Nationalsozialisten ermordet.
Auch Heinrich Terhorst erhielt einen Stolperstein. Der Vorsitzende der SPD-Ortsgruppe wurde aufgrund seines politischen Engagements inhaftiert und verlor seine Arbeit als Malermeister. Durch einen später gestellten Entschädigungsantrag konnte seine Geschichte rekonstruiert werden.
Darüber hinaus erinnern Stolpersteine an Louis Klein und Karl Pescher. Louis Klein war Mitinhaber einer Kleiderfabrik und wurde während der Reichspogromnacht verhaftet. Ihm gelang 1939 die Flucht nach Ecuador. Karl Pescher half seinem Arbeitgeber Isaak Kaufmann während der Reichspogromnacht bei der Flucht in die Niederlande. Für seinen Widerstand gegen das NS-Regime wurde Pescher misshandelt und zur Zwangsarbeit gezwungen.
Unterstützt wurde die Stolpersteinverlegung von der Sparkassenstiftung sowie vom Heimatbund St. Tönis. Das Projekt wurde in diesem Jahr von elf Schülerinnen und Schülern des Projektkurses Geschichte organisiert.
Weitere Informationen zu den Schicksalen der Verfolgten aus Tönisvorst gibt es auf der Internetseite des WDR-Stolpersteinprojekts. Wir werden in den kommenden Wochen auch dort die Informationen der Opfer detalliert präsentieren und für die Öffentlichkeit aufbereiten.
















